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Ratgeber

Umschulung für Arbeitslose: So bekommst du sie vom Arbeitsamt oder Jobcenter

Ein Mann um die 35 verlässt mit einer Mappe unter dem Arm ein Amtsgebäude (KI-generiert)

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Agentur für Arbeit kann eine Umschulung fördern, wenn du einen neuen Berufsabschluss brauchst, um wieder dauerhaft Arbeit zu finden.
  • Über die Förderung entscheidet seit 2025 immer die Agentur für Arbeit, auch wenn du vom Jobcenter betreut wirst.
  • Seit Juli 2026 heißt das Bürgergeld Grundsicherungsgeld, und das Jobcenter prüft zuerst, ob es dir eine passende Stelle vermitteln kann.
  • Während der Umschulung bekommst du dein Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld weiter, bei einer Umschulung mit anerkanntem Berufsabschluss zusätzlich 150 Euro im Monat und bis zu 2.500 Euro Prämie.
  • Laut IAB waren Umgeschulte vier Jahre nach dem Start deutlich häufiger beschäftigt als vergleichbare Arbeitslose ohne Umschulung.
  • Die Umschulung kann komplett online laufen: klassisch mit Berufsabschluss in rund zwei Jahren oder kompakt in rund sechs Monaten mit Zertifikat.

Arbeitslos zu sein fühlt sich oft wie Stillstand an. Dabei kann genau diese Zeit der Moment sein, in dem du beruflich noch einmal neu startest.

Eine Umschulung für Arbeitslose führt dich meist in rund zwei Jahren zu einem anerkannten Berufsabschluss, und oft kann die Agentur für Arbeit, umgangssprachlich das Arbeitsamt, die kompletten Kosten übernehmen.

Arbeitsamt oder Jobcenter, Bildungsgutschein, neues Grundsicherungsgeld: Von außen wirkt das verwirrend. Hier gehen wir alles gemeinsam Schritt für Schritt durch.

Wann bekomme ich eine Umschulung vom Arbeitsamt?

Du kannst eine Umschulung vom Arbeitsamt bekommen, wenn ein neuer Berufsabschluss nötig ist, damit du wieder dauerhaft Arbeit findest. So regelt es § 81 SGB III. Außerdem muss dich die Agentur für Arbeit vorher beraten haben, und Kurs und Bildungsträger müssen für die Förderung zugelassen sein.

Nötig ist eine Umschulung meistens aus einem von drei Gründen: Du hast keine abgeschlossene Ausbildung. Du hast eine, arbeitest aber seit Jahren in einem ganz anderen Bereich. Oder in deinem bisherigen Beruf fehlt es in deiner Region an geeigneten Jobs. Auch wer gekündigt wurde und noch arbeitet, kann eine Umschulung bekommen, denn die Förderung gilt auch bei drohender Arbeitslosigkeit.

Für eine Umschulung musst du außerdem zum neuen Beruf passen und sie voraussichtlich erfolgreich abschließen können. Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss haben dabei besonders gute Karten: Erfüllen sie alle Voraussetzungen, muss die Agentur für Arbeit das Nachholen eines Abschlusses fördern.

Arbeitsamt oder Jobcenter: Wer ist für Umschulung und Weiterbildung zuständig?

Für die Förderung einer Umschulung ist immer die Agentur für Arbeit zuständig, auch wenn du vom Jobcenter betreut wirst. Seit dem 1. Januar 2025 berät, entscheidet und finanziert sie die berufliche Weiterbildung auch für Jobcenter-Kundinnen und -Kunden. Das steht im Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit zur beruflichen Weiterbildung.

Arbeitslosengeld (ALG I)Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld)
Ansprechstelle im AlltagAgentur für ArbeitJobcenter
Wer stellt den Bedarf fest?Agentur für ArbeitJobcenter
Wer entscheidet und stellt den Bildungsgutschein aus?Agentur für ArbeitAgentur für Arbeit
Wer zahlt deinen Lebensunterhalt?Agentur für ArbeitJobcenter

Mit Grundsicherungsgeld sprichst du die Umschulung also zuerst beim Jobcenter an, am besten bei deiner Sachbearbeiterin oder deinem Sachbearbeiter. Das Jobcenter klärt den Bedarf und schickt dich dann zur Beratung zur Agentur für Arbeit, die als Kostenträger die Förderung der beruflichen Weiterbildung übernimmt.

Was ändert sich 2026 beim Bürgergeld für deine Umschulung?

Seit dem 1. Juli 2026 heißt das Bürgergeld Grundsicherungsgeld, und im Jobcenter gilt wieder der Vermittlungsvorrang. Das Jobcenter prüft also zuerst, ob du direkt in Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden kannst, zum Beispiel über einen Vermittlungsvorschlag für ein passendes Stellenangebot. Eine Umschulung kommt infrage, wenn sie der erfolgversprechendere Weg in dauerhafte Arbeit ist, so beschreibt es die Bundesregierung in ihrer Information zur neuen Grundsicherung.

Eine Umschulung mit Grundsicherungsgeld bleibt damit möglich, du solltest sie aber gut begründen können: Warum bringt dich ein neuer Abschluss weiter als das nächste Jobangebot ohne Perspektive? Ohne Berufsabschluss stehen deine Chancen besonders gut, denn nach § 4 SGB III gilt eine Weiterbildung mit Abschluss dann ausdrücklich als nötig für eine dauerhafte Eingliederung. Läuft deine Umschulung schon, ändert sich laut Bundesagentur für Arbeit nichts.

Wie viel Geld bekomme ich während der Umschulung?

Während einer geförderten Umschulung bekommst du in der Regel dein Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld weiter, und die Agentur für Arbeit kann den Kurs bezahlen. Ein Gehalt wie in einer festen Stelle ist das nicht. Dafür kann die Umschulung für dich komplett kostenlos sein, und diese Leistungen können dazukommen:

  • Weiterbildungskosten: Lehrgang und Prüfungen, je nach Situation auch Fahrtkosten und Kinderbetreuung bis 160 Euro je Kind und Monat.
  • Weiterbildungsgeld: 150 Euro zusätzlich im Monat, wenn du arbeitslos bist und die Umschulung zu einem Berufsabschluss führt.
  • Weiterbildungsprämie: 1.000 Euro nach der bestandenen Zwischenprüfung und 1.500 Euro nach der Abschlussprüfung.

Weiterbildungsgeld und Prämie regelt § 87a SGB III. Beides gibt es nur, wenn deine Umschulung zu einem Berufsabschluss führt. Bei einer kompakten Umschulung mit Zertifikat kann die Agentur für Arbeit mit Bildungsgutschein trotzdem die Kurskosten übernehmen, und dein Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld läuft weiter. Frag in der Beratung außerdem nach, wie lange dein Arbeitslosengeld während der Umschulung läuft.

Wie läuft der Weg zur geförderten Umschulung ab?

Infografik mit den sechs Schritten zur geförderten Umschulung: Arbeitslos melden, Umschulung ansprechen, Zielberuf und zugelassenen Kurs suchen, Beratung bei der Agentur für Arbeit, Bildungsgutschein erhalten, Umschulung starten

Der Weg zur Umschulung läuft in sechs Schritten ab, vom ersten Termin bis zum ersten Kurstag:

  1. 1.Melden: Melde dich arbeitsuchend oder arbeitslos, sobald du von deiner Kündigung weißt.
  2. 2.Ansprechen: Sag im Termin beim Amt, also bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter, klar, dass du dich umschulen lassen möchtest.
  3. 3.Suchen: Informiere dich über Zielberufe und passende Online-Umschulungen, zum Beispiel in unserer Übersicht der Umschulungsberufe.
  4. 4.Beraten: Die Agentur für Arbeit prüft die Voraussetzungen und ob der Beruf zu dir passt.
  5. 5.Gutschein: Passt alles, bekommst du einen Bildungsgutschein. Wie das klappt, erklärt unser Ratgeber Bildungsgutschein beantragen.
  6. 6.Starten: Du löst den Gutschein beim Bildungsträger ein, und deine Umschulung beginnt.

Ob Arbeitsagentur oder Jobcenter dein Ansprechpartner im Alltag ist, hängt davon ab, ob du Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld bekommst. Je früher du das Gespräch suchst, desto schneller kann deine Umschulung starten.

Lohnt sich eine Umschulung, wenn ich arbeitslos bin?

Ja, eine Umschulung lohnt sich für Arbeitslose in den meisten Fällen deutlich. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Erwerbsverläufe von rund 30.000 Menschen ausgewertet, die zwischen 2005 und 2007 eine Umschulung begonnen haben. Vier Jahre nach dem Start waren Frauen um rund 20 und Männer um rund 12 Prozentpunkte häufiger sozialversicherungspflichtig beschäftigt als vergleichbare Arbeitslose ohne Umschulung. Für Menschen mit ALG II, dem heutigen Grundsicherungsgeld, war der Effekt fast genauso groß.

Der Zielberuf macht dabei einen großen Unterschied: In Berufen mit vielen offenen Stellen, etwa im Gesundheitsbereich, wirkte die Umschulung besonders stark, in Berufen mit vielen Arbeitslosen deutlich schwächer. Schau dir deshalb vorher an, welche Berufe nach einer Umschulung gefragt sind. Und hab Geduld: Während der Umschulung lernst du, statt dich um Jobsuche und Bewerbungen zu kümmern. Der Vorsprung entsteht deshalb erst nach dem Abschluss, hält dann aber laut Studie über Jahre an. Ausgebildete Fachkräfte werden in vielen Branchen gesucht.

Kann ich die Umschulung auch online machen?

Ein Mann über 50 macht sich in einem hellen Homeoffice Notizen zu einem Online-Kurs (KI-generiert)

Ja, eine Umschulung kann komplett online laufen und mit Bildungsgutschein gefördert werden, wenn Kurs und Bildungsträger für die Förderung zugelassen sind. Online gibt es dabei zwei Wege: die klassische Umschulung mit Berufsabschluss, die meist rund zwei Jahre dauert, und kompakte Online-Umschulungen von rund sechs Monaten, die mit einem Zertifikat abschließen. Viele Angebote kannst du in Vollzeit oder in Teilzeit machen, einige auch berufsbegleitend.

Eine kompakte Online-Umschulung ist für viele Arbeitslose der schnellere Weg zurück in den Job. Du lernst gezielt die Fähigkeiten, die Arbeitgeber in deinem neuen Bereich suchen, sparst dir lange Fahrwege und kannst Lernen und Familie besser verbinden. Welcher Weg zu dir passt, hängt vor allem davon ab, ob für deinen Wunschjob ein Ausbildungsberuf mit Abschluss verlangt wird.

Vor dem Start lohnt sich ein kurzer Check: Ist der Kurs für den Bildungsgutschein zugelassen? Gibt es Live-Unterricht im virtuellen Klassenzimmer und feste Ansprechpartner, statt nur Online-Kurse zum Selbstlernen? Und bekommst du am Ende ein Zertifikat, das deine neuen Kenntnisse genau belegt?

Wie überzeuge ich meine Beraterin oder meinen Berater?

Am besten überzeugst du deine Beraterin oder deinen Berater mit einem konkreten Plan statt mit einem allgemeinen Wunsch. Diese Punkte machen deine Umschulung greifbar:

  • Zielberuf: Nenne einen konkreten Beruf und warum er zu dir passt.
  • Arbeitsmarkt: Bring zwei oder drei aktuelle Stellenanzeigen aus deiner Region mit, die genau diesen Abschluss verlangen.
  • Angebot: Such vorab einen zugelassenen Kurs heraus, gern auch online.
  • Lebenslauf: Nimm deinen Lebenslauf mit, damit deine Beraterin oder dein Berater sieht, was du schon mitbringst.
  • Motivation: Mach klar, dass du die Umschulung bis zum Ende durchziehen willst.

Denn am Ende wollen Agentur für Arbeit und Jobcenter vor allem eins: dass du nach der Umschulung wieder versicherungspflichtig arbeitest und eine echte Chance hast, dauerhaft dein eigenes Geld zu verdienen.

Fazit

Eine Umschulung für Arbeitslose ist ein bewährter Weg in einen Beruf mit Zukunft, und in vielen Fällen kann die Agentur für Arbeit die Kosten tragen. Entscheidend sind drei Dinge: Ein neuer Abschluss ist für dich wirklich nötig, dein Zielberuf ist gefragt, und du gehst gut vorbereitet ins Gespräch. Seit Juli 2026 prüft das Jobcenter zuerst, ob es dir eine passende Stelle vermitteln kann, bevor eine Umschulung infrage kommt. Eine gut begründete Umschulung bleibt aber möglich, auch komplett online von zu Hause.

Du weißt noch nicht, welcher Beruf zu dir passt? Mach unseren kurzen Umschulungs-Check und finde die Online-Umschulung, die zu deiner Situation passt. Oder schreib uns direkt, dann melden wir uns mit passenden Möglichkeiten.

FAQ

Habe ich einen Anspruch auf eine Umschulung vom Arbeitsamt?

Meistens nicht, denn die Agentur für Arbeit entscheidet über eine Umschulung im Einzelfall. Eine Ausnahme gilt für Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss: Sind sie geeignet und erfüllen alle Voraussetzungen, muss das Nachholen des Abschlusses gefördert werden.

Welche Umschulungen werden vom Arbeitsamt gefördert?

Das Arbeitsamt fördert Umschulungen, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen und bei einem zugelassenen Bildungsträger stattfinden, zum Beispiel in kaufmännischen Berufen, IT, Pflege oder Logistik. Auch kürzere Weiterbildungen mit Zertifikat können mit Bildungsgutschein gefördert werden, wenn Kurs und Träger zugelassen sind. Wichtig ist vor allem, dass es in deiner Region genug Stellen für den Beruf gibt.

Wie lange dauert eine Umschulung vom Arbeitsamt?

Eine klassische Umschulung mit Berufsabschluss dauert meist rund zwei Jahre, bei manchen Berufen drei. Sie ist in der Regel um ein Drittel kürzer als eine normale Ausbildung. Kompakte Online-Umschulungen mit Zertifikat sind deutlich kürzer und dauern oft rund sechs Monate.

Bekomme ich eine Umschulung, wenn ich gekündigt wurde, aber noch arbeite?

Ja, denn die Förderung gilt auch bei drohender Arbeitslosigkeit. Melde dich spätestens drei Monate vor dem Ende deines Jobs arbeitsuchend, bei kurzfristiger Kündigung innerhalb von drei Tagen nach der Kündigung.

Was kann ich tun, wenn das Arbeitsamt die Umschulung ablehnt?

Lass dir die Ablehnung schriftlich geben und frag nach den Gründen. Gegen den Bescheid kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Oft hilft es auch, mit einem stärker gefragten Zielberuf wiederzukommen. Bist du unsicher, kann dir eine Rechtsberatung, zum Beispiel bei einem Sozialverband, weiterhelfen.

Wer zahlt eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen?

Eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen läuft meist als berufliche Reha, und Kostenträger ist je nach Versicherungszeit die Deutsche Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit. Das gilt auch, wenn du gerade Krankengeld bekommst und klar ist, dass du in deinem alten Beruf nicht mehr arbeiten kannst. Stell den Antrag bei einer der beiden Stellen, sie leitet ihn bei Bedarf weiter. Hast du eine Schwerbehinderung, kann dich zusätzlich der Integrationsfachdienst beim Weg zurück in den Job unterstützen.

Darf ich während der Umschulung einen Minijob haben?

Wenn du nebenbei etwas Geld verdienen möchtest, ist ein Minijob neben der Umschulung oft möglich, solange er zeitlich zum Kurs passt. Liegt dein Verdienst über dem Freibetrag, wird das Geld aber auf dein Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld angerechnet. Sprich einen Minijob deshalb vorher mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ab.

Bekomme ich mit 50 noch eine Umschulung?

Ja, für eine Umschulung gibt es keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist, dass sie deine Chancen auf dauerhafte Arbeit verbessert. Mehr dazu liest du im Ratgeber Umschulung mit 50.

Quellen

Hinweis: Bilder mit dem Kreis „AI“ wurden mit KI erstellt.

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