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Ratgeber

Umschulungsmöglichkeiten: Berufe & Umschulung im Überblick

Junge Frau arbeitet lächelnd an ihrem Laptop in einer gemütlichen Wohnung (KI-generiert)

Wichtigste Erkenntnisse

  • Eine Umschulung führt in der Regel zu einem neuen anerkannten Berufsabschluss und ist deshalb etwas anderes als eine kürzere Weiterbildung oder ein klassischer Quereinstieg.
  • Umschulungen können zum Beispiel betrieblich oder bei einem Bildungsträger stattfinden. Je nach Angebot sind auch Teilzeit- und Online-Modelle möglich.
  • Welche Umschulung zu dir passt, hängt nicht nur davon ab, welcher Beruf gerade gefragt ist. Deine bisherigen Erfahrungen, Interessen, gesundheitlichen Voraussetzungen und dein Alltag spielen genauso eine Rolle.
  • Zu den häufig gewählten Umschulungsfeldern gehören kaufmännische Berufe, IT, Logistik sowie Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich. Entscheidend ist aber immer der konkrete Arbeitsmarkt in deiner Region und dein persönliches Profil.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel wenn du arbeitslos bist, kann eine Umschulung mit einem Bildungsgutschein gefördert werden. Dabei können neben den Lehrgangskosten auch weitere Kosten und zusätzliche Leistungen übernommen werden.
  • Der Arbeitsmarkt verändert sich. Arbeitgeber achten teilweise stärker auf vorhandene Skills, praktische Fähigkeiten und Lernfähigkeit – eine berufliche Neuorientierung muss deshalb nicht bedeuten, dass dein bisheriger Berufsweg plötzlich wertlos ist.

Vielleicht weißt du schon ziemlich genau, dass du beruflich etwas verändern möchtest. Was danach kommt, ist häufig schwieriger. Welche Umschulungsmöglichkeiten gibt es überhaupt? Muss es eine klassische Umschulung sein? Welche Berufe kommen infrage? Und wie soll man aus all den Möglichkeiten herausfinden, welcher Weg tatsächlich zum eigenen Leben passt?

Gerade bei einer beruflichen Neuorientierung ist es leicht, sich von langen Listen mit angeblichen „Top-Berufen“ verrückt machen zu lassen. Ein Beruf kann hervorragende Zukunftsaussichten haben und trotzdem überhaupt nicht zu dir passen. Umgekehrt kann ein Beruf, der in keiner Top-10-Liste auftaucht, für deine Erfahrungen, deine Region und deine persönlichen Stärken genau richtig sein.

Beim Thema Umschulung geht es deshalb nicht nur darum, möglichst viele Umschulungsberufe aufzuzählen. Wir schauen uns an, welche Wege es gibt, wie sich die verschiedenen Formen unterscheiden, welche Berufe interessant sein können und worauf du achten solltest, bevor du dich für eine Umschulung entscheidest.

Welche Umschulungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Umschulung ist vor allem dann interessant, wenn du nicht nur ein paar zusätzliche Kenntnisse erwerben, sondern beruflich wirklich in eine neue Richtung gehen möchtest. Am Ende steht normalerweise ein neuer Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Genau das unterscheidet eine Umschulung von vielen klassischen Weiterbildungen, bei denen du vorhandene Kenntnisse vertiefst oder zusätzliche Qualifikationen erwirbst.

Die Bundesagentur für Arbeit unterscheidet beim Berufswechsel verschiedene Wege. Neben der Umschulung kommen je nach Situation beispielsweise eine Weiterbildung, die Externenprüfung oder ein Quereinstieg infrage. Deshalb lohnt sich zunächst die Frage, ob du tatsächlich einen neuen Berufsabschluss brauchst oder ob dein eigentliches Ziel auch auf einem kürzeren Weg erreichbar wäre.

Wenn du beispielsweise bereits jahrelang im kaufmännischen Bereich gearbeitet hast und dir nur bestimmte digitale Kenntnisse fehlen, kann eine gezielte Weiterbildung sinnvoller sein als eine komplette Umschulung. Möchtest du dagegen aus einem völlig anderen Beruf in einen anerkannten kaufmännischen Ausbildungsberuf wechseln, sieht die Situation anders aus.

Einen Überblick über verschiedene berufliche Möglichkeiten findest du auch bei den Online-Umschulungen und Berufsbildern von career now.

Welche Umschulungsformen unterscheiden sich voneinander?

Nicht jede Umschulung läuft gleich ab. Schon die Frage, wo du lernst, kann deinen Alltag während der nächsten Monate oder Jahre erheblich verändern. Der Kostenträger kann sich unterscheiden.

UmschulungsformWie läuft sie typischerweise ab?Für wen kann sie interessant sein?
Betriebliche UmschulungDu lernst überwiegend in einem Unternehmen und absolvierst parallel die vorgesehenen schulischen bzw. theoretischen Bestandteile.Wenn du möglichst nah am praktischen Arbeitsalltag lernen möchtest
Umschulung bei einem BildungsträgerDie theoretischen Inhalte werden bei einem Bildungsanbieter vermittelt. Praktische Phasen oder Praktika gehören häufig dazu.Wenn du einen strukturierten Lernrahmen und intensive Prüfungsvorbereitung möchtest.
Teilzeit-UmschulungDie wöchentliche Lern- und Arbeitszeit ist reduziert. Dadurch verlängert sich normalerweise die Gesamtdauer.Zum Beispiel bei Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder anderen zeitlichen Verpflichtungen.
Online- oder hybride UmschulungEin Teil oder ein großer Teil des Unterrichts findet digital statt. Praxis- und Prüfungsanforderungen hängen vom jeweiligen Beruf ab.Wenn du räumlich flexibler lernen möchtest und selbstständiges Arbeiten gut funktioniert
Umschulung im Rahmen beruflicher RehabilitationDie Maßnahme berücksichtigt gesundheitliche oder behinderungsbedingte Anforderungen und kann zusätzliche Unterstützung enthalten.Wenn der bisherige Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann.

Wichtig ist dabei: „Online“ beschreibt zunächst die Unterrichtsform und nicht automatisch einen völlig anderen Abschluss. Bei Umschulungen in anerkannten Ausbildungsberufen gelten weiterhin die jeweiligen Anforderungen an Inhalte, Praxis und Prüfung.

Welche Umschulungsberufe gibt es und welche sind gefragt?

Hölzernes Wegweiser-Schild mit der Aufschrift „Dream Job“ vor blauem Himmel

Theoretisch gibt es sehr viele mögliche Umschulungsberufe. In der Praxis tauchen bestimmte Berufsfelder besonders häufig auf, weil sie sich gut für einen beruflichen Neustart eignen, regelmäßig von Bildungsträgern angeboten werden oder auf einem vergleichsweise breiten Arbeitsmarkt eingesetzt werden können.

Besonders häufig findest du Angebote für Kaufleute und andere kaufmännische Berufe, aber auch in IT und Digitalisierung, Logistik, Gesundheit sowie in technischen und dienstleistungsorientierten Bereichen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder dieser Berufe überall gleich stark gesucht wird. Welche Umschulungsberufe besonders gefragt sind, kann sich regional deutlich unterscheiden.

Außerdem sollte man zwischen „beliebt“ und „gefragt“ unterscheiden. Ein beliebter Umschulungsberuf ist zunächst einmal ein Beruf, für den sich viele Menschen interessieren oder für den besonders viele Umschulungsangebote existieren. Das sagt noch nicht automatisch, dass in jeder Stadt gerade hunderte offene Stellen auf dich warten oder dass der Beruf automatisch große Karrierechancen bietet.

Welche Berufe können für eine Umschulung interessant sein?

Beruf / BereichWarum wird er häufig für eine Umschulung gewählt?Was solltest du vorher prüfen?
Kaufmann/-frau für BüromanagementKaufmännische Organisation wird in sehr vielen Branchen benötigt. Aufgaben können von Kundenkontakt über Terminplanung bis zu Rechnungswesen und Verwaltung reichen.Liegt dir Organisation, Kommunikation und die Arbeit mit digitalen Büroanwendungen?
Industriekaufmann/-frauDer Beruf verbindet Einkauf, Vertrieb, Materialwirtschaft, Rechnungswesen und weitere Unternehmensbereiche.Gibt es in deiner Region ausreichend Industrieunternehmen und passen die Aufgaben zu dir?
Fachinformatiker/-inDigitale Kenntnisse bleiben für viele Unternehmen wichtig und eröffnen verschiedene Spezialisierungen.Welche Fachrichtung interessiert dich wirklich und wie sieht der konkrete regionale Arbeitsmarkt aus?
Kaufmann/-frau im GesundheitswesenVerbindet kaufmännische Tätigkeiten mit dem Gesundheitsbereich.Möchtest du im Gesundheitswesen arbeiten, ohne selbst einen pflegerischen Beruf auszuüben?
Kaufmann/-frau für E-CommerceVerbindet kaufmännische Grundlagen mit Onlinehandel, Vertrieb und digitalen Prozessen.Interessierst du dich für Zahlen, Produkte, digitale Systeme und Onlinevertrieb?
Logistik und SpeditionWarenströme, Transport und Lager bleiben zentrale Bestandteile vieler Unternehmen.Passt das Arbeitsumfeld zu dir und gibt es entsprechende Arbeitgeber in deiner Umgebung?
Gesundheits- und PflegeberufeIn Teilen des Gesundheits- und Pflegebereichs besteht ein hoher Bedarf an qualifizierten Fachkräften.Manche Berufe haben besondere Zugangsvoraussetzungen und hohe körperliche oder emotionale Anforderungen.
Technische und handwerkliche BerufeIn zahlreichen technischen und handwerklichen Bereichen werden qualifizierte Fachkräfte benötigt.Prüfe körperliche Anforderungen, regionale Nachfrage und die konkrete Form des Berufsabschlusses.

Wenn dich speziell kaufmännische Tätigkeiten interessieren, lohnt es sich, die einzelnen Berufsbilder wirklich nebeneinanderzulegen. Büromanagement, Industrie, Gesundheitswesen oder E-Commerce klingen auf den ersten Blick alle „kaufmännisch“, der spätere Arbeitsalltag kann aber ziemlich unterschiedlich aussehen.

Welche Umschulung passt zu deiner persönlichen Situation?

Die interessanteste Umschulung ist nicht automatisch die richtige Umschulung. Bevor du auf Gehaltstabellen oder vermeintliche Zukunftsberufe schaust, lohnt sich ein etwas nüchternerer Blick auf deinen bisherigen Berufsweg.

Was kannst du bereits? Was möchtest du auf keinen Fall mehr machen? Welche Tätigkeiten haben dir bisher überraschend gut gelegen? Und welche Probleme deines alten Berufs sollen im neuen nicht einfach wieder auftauchen?

Wenn du beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen deinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kannst, wäre es wenig sinnvoll, nur deshalb den nächsten körperlich anspruchsvollen Beruf zu wählen, weil dort gerade viele Stellen offen sind. Genauso wenig bringt dir ein vermeintlich sicherer Bürojob etwas, wenn du eigentlich überhaupt nicht gerne mehrere Stunden täglich am Bildschirm arbeitest.

Auch dein Alltag gehört in diese Entscheidung. Musst du Kinder betreuen? Pflegst du jemanden? Kannst du für zwei Jahre Vollzeit lernen? Wie weit kannst du täglich fahren? Wäre Online-Unterricht für dich eine Erleichterung oder würdest du zu Hause nach drei Tagen anfangen, deine Zimmerpflanzen interessanter zu finden als den Unterricht?

Eine gute Umschulungsentscheidung besteht deshalb meistens aus mehreren Fragen gleichzeitig:

  • Passt das Berufsfeld zu meinen Fähigkeiten?
  • Kann ich mir den späteren Arbeitsalltag vorstellen?
  • Gibt es in meiner Region passende Arbeitgeber?
  • Welche meiner bisherigen Erfahrungen kann ich weiterverwenden?
  • Welche Kenntnisse muss ich komplett neu lernen?
  • Passt die Dauer der Umschulung zu meinem Leben?
  • Kann ich Vollzeit lernen oder brauche ich ein Teilzeitmodell?
  • Wie sieht die Finanzierung aus?

Wenn du noch zwischen Umschulung und einer kürzeren Qualifizierung schwankst, kann auch ein Blick auf die Weiterbildung mit Bildungsgutschein helfen.

Warum können deine bisherigen Erfahrungen trotz Berufswechsel wichtig bleiben?

Tastatur mit grün hervorgehobener Taste „Jetzt bewerben“

Ein Berufswechsel beginnt zwar mit etwas Neuem, aber du startest deshalb nicht automatisch wieder bei null. Wer zehn Jahre im Verkauf gearbeitet hat, bringt beispielsweise Erfahrung mit Kunden, Konflikten, Warenwirtschaft, Zeitdruck und vielleicht sogar Personalplanung mit. Wer aus der Logistik kommt, kennt Abläufe, Dokumentation und Prozesse. Und wer bereits in einem Büro gearbeitet hat, hat möglicherweise längst mit Software, Daten, Rechnungen oder Terminorganisation zu tun gehabt.

Genau solche übertragbaren Fähigkeiten können später eine wichtige Rolle spielen. Eine Umschulung ergänzt deinen bisherigen Weg um einen neuen Abschluss und neues Fachwissen. Sie löscht aber nicht alles, was davor passiert ist.

Werden Fähigkeiten für Arbeitgeber wichtiger als formale Abschlüsse?

Das Thema gewinnt auch im Recruiting an Bedeutung. Ein Beitrag von Haufe zum Skill-based Hiring greift eine Stepstone-Studie aus dem Herbst 2025 auf. Demnach wollen 77 Prozent der befragten Unternehmen Bewerber künftig stärker nach tatsächlichen Fähigkeiten statt ausschließlich nach formalen Abschlüssen beurteilen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung aber auch, dass traditionelle Nachweise weiterhin wichtig sind: 43 Prozent der Unternehmen verlangten weiterhin formale Nachweise, nur 17 Prozent verzichteten vollständig darauf.

Für Menschen nach einer Umschulung ist gerade diese Mischung interessant. Der neue Berufsabschluss kann dir eine formale Grundlage geben, während deine früheren Erfahrungen zusätzliche Fähigkeiten mitbringen, die jemand mit einem völlig geradlinigen Berufsweg vielleicht nicht hat. Die Originalauswertung der Stepstone-Studie basiert auf Befragungen von 1.067 Recruiterinnen und Recruitern sowie 6.857 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland.

Das heißt nicht, dass Abschlüsse plötzlich unwichtig wären. In zahlreichen Berufen sind bestimmte Qualifikationen vorgeschrieben oder praktisch Voraussetzung für den Einstieg. Es zeigt aber, warum du bei deiner beruflichen Neuorientierung nicht nur fragen solltest: „Welchen Abschluss bekomme ich?“ Mindestens genauso interessant ist: Was kann ich danach – und welche meiner vorhandenen Fähigkeiten kann ich mitnehmen?

Wie lange dauert eine Umschulung und gibt es diese in Teilzeit?

Eine Umschulung ist normalerweise kürzer als die entsprechende klassische Berufsausbildung. Bei einem anerkannten Ausbildungsberuf mit regulär drei Jahren Ausbildungsdauer dauert eine Umschulung häufig ungefähr zwei Jahre. Wie lange die Umschulung dauert, hängt allerdings vom Beruf, der Umschulungsform und deinen persönlichen Voraussetzungen ab.

Teilzeitmodelle dauern entsprechend länger. Auch bei Online- oder hybriden Modellen bedeutet „online“ nicht automatisch „schneller“. Die vorgeschriebenen Lerninhalte und Prüfungsanforderungen verschwinden schließlich nicht dadurch, dass dein Unterricht am Laptop statt in einem Klassenraum stattfindet.

Deshalb lohnt sich vor der Entscheidung ein genauer Blick auf den Stundenplan. Wie viele Unterrichtsstunden gibt es pro Woche? Gibt es Praxisphasen? Wann findet ein Praktikum statt? Wie lange dauert die Prüfungsvorbereitung? Und wie realistisch lässt sich das alles mit deinem privaten Alltag verbinden?

Eine Umschulung, die auf dem Papier perfekt aussieht, bringt dir wenig, wenn die organisatorischen Bedingungen schon nach drei Monaten kaum noch machbar sind.

Wie kannst du eine Umschulung finanzieren?

Eine der größten Fragen ist verständlicherweise das Geld. Zwei Jahre Umschulung lassen sich schließlich nicht einfach behandeln wie ein Wochenendseminar.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine berufliche Umschulung über einen Bildungsgutschein gefördert werden. Die Entscheidung wird individuell getroffen. Es besteht also nicht automatisch ein Anspruch auf jede gewünschte Umschulung, nur weil der Kurs grundsätzlich förderfähig ist. Je nach persönlicher Situation können dabei die Agentur für Arbeit und das Jobcenter beteiligt sein.

Die Bundesagentur für Arbeit zum Bildungsgutschein erklärt, dass sowohl der gewählte Bildungsträger als auch die Maßnahme entsprechend zugelassen sein müssen. Bei vorliegenden Voraussetzungen können unter anderem Lehrgangskosten, notwendige Lernmittel und Prüfungsgebühren, Fahrkosten, Kinderbetreuung sowie erforderliche auswärtige Unterbringung und Verpflegung übernommen werden.

Das aktuelle Merkblatt 6 der Bundesagentur bestätigt diese Kostenarten ebenfalls und nennt für geförderte abschlussorientierte Weiterbildungen zusätzlich ein Weiterbildungsgeld von 150 Euro monatlich. Bei entsprechenden Umschulungen können außerdem 1.000 Euro für eine erfolgreich bestandene vorgesehene Zwischenprüfung und 1.500 Euro für die erfolgreich bestandene Abschlussprüfung gezahlt werden. Welche Leistungen in deinem konkreten Fall greifen, muss individuell geprüft werden.

Wenn du das Thema ausführlicher prüfen möchtest, findest du bei career now weitere Informationen zur Umschulung mit Bildungsgutschein und zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten.

Was kann bei einer geförderten Umschulung übernommen werden?

Je nach persönlicher Situation und Bewilligung können verschiedene Leistungen zusammenkommen. Deshalb lohnt es sich, im Beratungsgespräch nicht nur nach den reinen Kursgebühren zu fragen.

Mögliche LeistungWas kann dazugehören?
LehrgangskostenKursgebühren sowie notwendige Lernmittel, Arbeitskleidung oder Prüfungsgebühren
FahrtkostenNotwendige Fahrten zwischen Wohnort und Bildungsstätte
KinderbetreuungZusätzliche Betreuungskosten während der Weiterbildung
Unterbringung und VerpflegungWenn eine tägliche Anreise nicht zumutbar ist und eine auswärtige Unterbringung erforderlich wird
WeiterbildungsgeldBei förderfähiger abschlussorientierter Weiterbildung derzeit 150 Euro monatlich
WeiterbildungsprämieUnter den jeweiligen Voraussetzungen 1.000 Euro für eine vorgesehene Zwischenprüfung und 1.500 Euro für die Abschlussprüfung

Wichtig ist vor allem die Reihenfolge: Kümmere dich um Beratung und Förderung, bevor du eigenständig verbindliche Verträge abschließt oder eine Maßnahme beginnst. Ein AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) kann für bestimmte Coachings oder Aktivierungsmaßnahmen interessant sein, ist aber nicht dasselbe wie der Bildungsgutschein für eine abschlussorientierte Umschulung.

Welche Rolle spielt der Arbeitsmarkt bei der Wahl deiner Umschulung?

Natürlich sollte eine Umschulung am Ende auch zu einem Beruf führen, mit dem du realistische Beschäftigungsmöglichkeiten hast. Trotzdem wäre es zu einfach, nur nach „dem Beruf mit der größten Nachfrage“ zu suchen.

Arbeitsmärkte verändern sich. Manche Berufe werden bundesweit dringend gesucht, während die Situation hundert Kilometer weiter schon anders aussehen kann. Technologien verändern Tätigkeiten, Unternehmen bauen Stellen auf und ab und Berufsbilder entwickeln sich weiter.

Ein aktueller Fachkräftemangel ist allerdings keine Garantie dafür, dass ein bestimmter Beruf dauerhaft oder in jeder Region gleich stark gesucht wird. Deshalb lohnt es sich, drei Dinge gleichzeitig anzuschauen: Wie sieht die Nachfrage aus? Welche Aufgaben stecken tatsächlich hinter dem Beruf? Und passen diese Aufgaben zu dir?

Wenn du bereits einen Zielberuf im Kopf hast, suche nicht nur nach Umschulungsangeboten. Öffne zusätzlich normale Stellenanzeigen. Schau dir zehn oder zwanzig davon an. Welche Kenntnisse werden immer wieder genannt? Gibt es die Stellen überhaupt dort, wo du wohnst? Wird Berufserfahrung verlangt? Welche Software oder zusätzlichen Qualifikationen tauchen auf?

Damit bekommst du häufig ein realistischeres Bild als durch eine einzelne Liste mit „zehn Berufen mit Zukunft“.

Was zeigt Mobile Recruiting über die Jobsuche nach einer Umschulung?

Nahaufnahme eines Smartphones mit grüner Hülle auf einem Holztisch

Eine Umschulung endet nicht mit der Abschlussprüfung. Wenn du deine Umschulung abgeschlossen hast, beginnt der nächste Teil: den neuen Beruf tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen. Und auch die Art, wie Menschen nach Arbeit suchen und sich bewerben, hat sich in den vergangenen Jahren verändert.

Eine ältere, aber interessante Untersuchung zum Mobile Recruiting zeigt, wie früh sich dieser Wandel bereits abgezeichnet hat. Die von Statista dargestellte Untersuchung von meinestadt.de und der Hochschule RheinMain wurde im Mai und Juni 2017 unter 1.520 Fachkräften und 107 HR-Verantwortlichen in Deutschland durchgeführt. Damals suchten bereits 76,1 Prozent der Befragten per Smartphone nach einem neuen Job. 73 Prozent gaben an, dass sie sich auch mobil bewerben würden, während lediglich 27,4 Prozent der befragten Unternehmen zu diesem Zeitpunkt mobile Bewerbungsprozesse anboten.

Die Untersuchung ist inzwischen mehrere Jahre alt und sollte deshalb nicht als Aussage darüber verstanden werden, wie hoch diese Anteile heute sind. Interessant ist vielmehr, was sie über die Entwicklung des Arbeitsmarktes zeigt: Schon damals bewegte sich die Jobsuche deutlich in Richtung Smartphone und digitaler Bewerbungswege, während viele Unternehmen mit ihren Prozessen noch hinterherhinkten. Wer heute eine Umschulung beginnt, sollte deshalb nicht nur den Fachstoff des neuen Berufes im Blick behalten. Digitale Stellensuche, ein sauberer digitaler Lebenslauf, Bewerbungsportale und der Umgang mit Online-Kommunikation gehören inzwischen ebenfalls zum beruflichen Neustart.

Ergebnis der Untersuchung 2017Anteil
Fachkräfte, die per Smartphone nach einem neuen Job suchten76,1 %
Befragte, die sich mobil bewerben würden73,0 %
Unternehmen mit mobilem Bewerbungsprozess27,4 %
Mobile Bewerbungsbereitschaft im Gastgewerbe & Tourismus81,1 %
Mobile Bewerbungsbereitschaft im Handwerk80,9 %
Mobile Bewerbungsbereitschaft in Logistik, Lager & Verkauf77,4 %
Mobile Bewerbungsbereitschaft in Handel, Vertrieb & Verkauf74,9 %

Auch die Gründe auf Arbeitgeberseite waren interessant. 37,1 Prozent der befragten HR-Verantwortlichen gaben damals an, sich noch nicht mit mobilen Bewerbungswegen beschäftigt zu haben. 20 Prozent erhielten nach eigener Aussage genügend Bewerbungen über andere Kanäle, 14,3 Prozent nannten fehlende technische Kenntnisse und 11,4 Prozent eine ablehnende Haltung der Geschäftsführung. Das zeigt ziemlich gut, dass sich nicht nur Berufe verändern. Auch die Wege in diese Berufe entwickeln sich weiter.

Wie findest du Schritt für Schritt die passende Umschulung?

Wenn du gerade vor zwanzig Umschulungsangeboten sitzt und keine Ahnung hast, welches davon das richtige sein soll, musst du nicht alles gleichzeitig entscheiden.

Fang mit deinem Ziel an. Möchtest du wirklich einen völlig neuen Beruf erlernen oder eigentlich nur aus deiner aktuellen Tätigkeit heraus? Das klingt ähnlich, ist aber nicht dasselbe. Manchmal führt eine kleinere Weiterbildung bereits zum gewünschten Job. Manchmal fehlt tatsächlich ein anerkannter Berufsabschluss.

Danach kannst du den möglichen Zielberuf prüfen. Schau dir Aufgaben an, nicht nur Berufsbezeichnungen. „Büromanagement“ kann zunächst trocken klingen und dann genau die Mischung aus Organisation, Menschen und abwechslungsreichen Aufgaben sein, die dir liegt. Umgekehrt kann ein Beruf auf einer Website großartig klingen und im echten Alltag hauptsächlich aus Tätigkeiten bestehen, die du überhaupt nicht magst.

Als Nächstes kommt der Arbeitsmarkt. Suche nach realen Stellen und prüfe, welche Anforderungen Arbeitgeber tatsächlich stellen. Wenn du eine Umschulung beginnst, investierst du schließlich viel Zeit. Es ist sinnvoll zu wissen, was dich danach erwartet.

Dann prüfst du die organisatorische Seite: Vollzeit oder Teilzeit? Online oder vor Ort? Wie weit ist der Bildungsträger entfernt? Gibt es Praxisphasen? Wann beginnen die Kurse? Welche Prüfung steht am Ende?

Erst danach solltest du Förderung und Anbieter endgültig festlegen. Wenn ein Bildungsgutschein infrage kommt, muss außerdem geklärt werden, ob die Maßnahme und der Träger die Fördervoraussetzungen erfüllen.

Ist eine Umschulung immer der richtige Weg?

Nein. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht.

Vielleicht stellst du bei deiner Recherche fest, dass dir nur einzelne Kenntnisse fehlen. Dann kann eine Weiterbildung deutlich schneller ans Ziel führen. Vielleicht hast du bereits jahrelang in einem Beruf gearbeitet, besitzt aber keinen entsprechenden Abschluss. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dann beispielsweise eine Externenprüfung infrage kommen. Oder du findest einen Bereich, in dem ein Quereinstieg ohne vollständige neue Berufsausbildung realistisch ist.

Eine Umschulung ergibt besonders dann Sinn, wenn du für deinen geplanten Berufswechsel einen neuen Berufsabschluss brauchst oder dieser deine Chancen erheblich verbessert. Sie ist eine größere Entscheidung, aber eben auch eine deutlich umfassendere Qualifizierung als ein kurzer Kurs.

Das Ziel sollte deshalb nie lauten: „Ich muss unbedingt irgendeine Umschulung machen.“ Die bessere Frage lautet: „Welcher Weg bringt mich realistisch in den Beruf, in dem ich anschließend arbeiten möchte?“ Schau dir dazu gerne nochmal unsere Webseite an.

Fazit

Umschulungsmöglichkeiten gibt es viele. Genau das kann am Anfang allerdings eher anstrengend als hilfreich sein. Zwischen kaufmännischen Berufen, IT, Logistik, Gesundheit, Technik und unzähligen Kursangeboten entsteht schnell der Eindruck, man müsse nur noch den Beruf finden, der auf irgendeiner Liste ganz oben steht.

So funktioniert ein guter Berufswechsel meistens nicht.

Eine Umschulung sollte zu deinen Fähigkeiten, deinem Alltag und deinen langfristigen beruflichen Möglichkeiten passen. Schau deshalb nicht nur darauf, welcher Beruf gerade populär klingt. Prüfe den tatsächlichen Arbeitsalltag, die Nachfrage in deiner Region, die Lernform, die Dauer und die Finanzierung.

Und vergiss dabei deinen bisherigen Berufsweg nicht. Du wechselst vielleicht den Beruf, aber deine bisherigen Erfahrungen verschwinden dadurch nicht. Im besten Fall kombinierst du genau diese Erfahrungen mit einem neuen Abschluss und Fähigkeiten, die dir vorher noch gefehlt haben.

FAQ

Welche Umschulungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Umschulung kann unter anderem betrieblich oder über einen Bildungsträger erfolgen. Je nach Beruf und Anbieter sind auch Teilzeit-, Online- oder hybride Modelle möglich. Für Menschen, die ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, kommen außerdem besondere Angebote der beruflichen Rehabilitation infrage.

Welche Umschulungsberufe gibt es?

Umschulungen gibt es für zahlreiche anerkannte Ausbildungsberufe. Häufig angeboten werden beispielsweise kaufmännische Berufe, Fachinformatik, Logistik, E-Commerce sowie verschiedene Berufe im Gesundheits-, Sozial-, Technik- und Dienstleistungsbereich.

Welche Umschulung passt zu mir?

Das hängt von deinen bisherigen Erfahrungen, deinen Stärken, Interessen und persönlichen Rahmenbedingungen ab. Prüfe zusätzlich, wie der spätere Arbeitsalltag aussieht und welche Beschäftigungsmöglichkeiten es für den Beruf in deiner Region gibt.

Welche Umschulungsberufe sind gefragt?

Das verändert sich je nach Region und Arbeitsmarkt. Interessant können unter anderem kaufmännische Berufe, Gesundheits- und Pflegeberufe, Logistik, technische Berufe und verschiedene digitale Tätigkeiten sein. Eine pauschale Top-Liste ersetzt aber nicht die Prüfung des konkreten regionalen Arbeitsmarktes.

Wie lange dauert eine Umschulung?

Bei einem anerkannten Ausbildungsberuf mit regulär dreijähriger Ausbildungsdauer dauert eine Umschulung häufig ungefähr zwei Jahre. In Teilzeit kann die Umschulung länger dauern. Die genaue Dauer richtet sich nach Beruf, Anbieter und Umschulungsform.

Kann eine Umschulung mit einem Bildungsgutschein finanziert werden?

Ja, unter bestimmten individuellen Voraussetzungen kann eine Umschulung über einen Bildungsgutschein gefördert werden. Je nach Ausgangslage können das Jobcenter und die Agentur für Arbeit in den Prozess eingebunden sein. Die Fördervoraussetzungen werden individuell geprüft. Außerdem müssen Träger und Maßnahme die entsprechenden Zulassungsvoraussetzungen erfüllen.

Welche Kosten können bei einer geförderten Umschulung übernommen werden?

Je nach Bewilligung können unter anderem Lehrgangskosten, Lernmittel, Prüfungsgebühren, Fahrkosten, Kinderbetreuung sowie erforderliche Unterbringungs- und Verpflegungskosten übernommen werden. Bei einer geförderten abschlussorientierten Weiterbildung können außerdem Weiterbildungsgeld und Prüfungsprämien infrage kommen.

Muss ich für eine berufliche Neuorientierung immer eine Umschulung machen?

Nein. Je nach Ausgangslage können auch eine Weiterbildung, ein Quereinstieg, eine Teilqualifizierung oder eine Externenprüfung geeigneter sein. Entscheidend ist, welchen Abschluss beziehungsweise welche Kenntnisse du für deinen gewünschten neuen Beruf tatsächlich brauchst.

Quellen

  • Bundesagentur für Arbeit (o. J.): Beruf wechseln. Quelle aufrufen (Zugriff: 22.09.2026).
  • Bundesagentur für Arbeit (o. J.): Bildungsgutschein für berufliche Weiterbildung. Quelle aufrufen (Zugriff: 22.09.2026).
  • Furkel, D. (2026): Wie Skill-basiertes Recruiting gelingt. Haufe / Personalmagazin, 10.03.2026. Quelle aufrufen (Zugriff: 22.09.2026).
  • The Stepstone Group (2025): Umdenken im Recruiting: Drei von vier Arbeitgebern bewerten Fähigkeiten stärker als Abschlüsse. 21.10.2025. Quelle aufrufen (Zugriff: 22.09.2026).
  • Nier, H. (2017): Mobile Recruiting: Bewerbung der Zukunft? Statista, 28.11.2017. Die zugrunde liegende Untersuchung wurde von meinestadt.de gemeinsam mit der Hochschule RheinMain durchgeführt. Quelle aufrufen (Zugriff: 22.09.2026).
  • Bundesagentur für Arbeit (o. J.): Merkblatt 6 – Förderung der beruflichen Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Verfügbar über: https://www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung/downloads-karriere-und-weiterbildung (Zugriff: 22.09.2026).

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