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Förderung

Voraussetzungen für den Bildungsgutschein: Wer ihn bekommt und wer nicht

Aufgeschlagenes Notizbuch mit Stift auf einem Holztisch zur Vorbereitung auf das Beratungsgespräch zum Bildungsgutschein

Wichtige Erkenntnisse

  • Für den Bildungsgutschein müssen drei Dinge zusammenpassen: Die Weiterbildung ist notwendig, du wurdest vorher beraten, und Kurs und Bildungsträger sind zugelassen.
  • Den Bildungsgutschein bekommen vor allem Arbeitslose und Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht.
  • Bekommst du Grundsicherungsgeld, entscheidet trotzdem die Agentur für Arbeit über deinen Bildungsgutschein, und sie zahlt auch Weiterbildungsgeld und Prämien.
  • Ohne Berufsabschluss kannst du unter bestimmten Bedingungen gefördert werden, wenn du einen Abschluss nachholen willst.
  • Auch Berufstätige können gefördert werden, in größeren Betrieben zahlt der Arbeitgeber dann einen Teil der Kurskosten.
  • Abgelehnt wird der Bildungsgutschein vor allem, wenn die Notwendigkeit fehlt oder der Kurs nicht zugelassen ist.
  • Eine Studie mit Daten des IAB zeigt: Menschen mit geringerer Qualifikation lösen ihren Bildungsgutschein seltener ein, dabei kann ihnen gerade eine Umschulung mit Abschluss helfen.

Welche Voraussetzungen gelten für den Bildungsgutschein? Kurz gesagt: Die Agentur für Arbeit muss überzeugt sein, dass dir eine Umschulung oder Weiterbildung bei der Jobsuche wirklich hilft. Dazu kommen ein Beratungsgespräch vor dem Kursstart und ein zugelassener Kurs. Das klingt nach Behördenkram, ist aber gut zu schaffen. Hier liest du Schritt für Schritt, wer den Bildungsgutschein bekommt, wann er abgelehnt wird und wie du deine Chancen erhöhst.

Welche Voraussetzungen gelten für den Bildungsgutschein?

Infografik zu den drei Voraussetzungen für den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III: Bedarf bzw. Notwendigkeit der Weiterbildung, Beratung vor Kursbeginn und zugelassener Kurs mit zugelassenem Träger

Für einen Bildungsgutschein müssen nach § 81 SGB III drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein. Fehlt auch nur eine davon, gibt es keine Förderung.

  • Notwendigkeit: Die Weiterbildung ist nötig, damit du wieder Arbeit findest oder eine drohende Arbeitslosigkeit abwendest.
  • Beratung: Die Agentur für Arbeit hat dich vor Beginn der Weiterbildung beraten.
  • Zulassung: Kurs und Bildungsträger sind für die Förderung zugelassen.

Zugelassen heißt: Der Kurs und der Anbieter wurden nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung geprüft, kurz AZAV. Nur dann kann die Agentur für Arbeit die Kosten übernehmen. Ob dein Wunschkurs zugelassen ist, siehst du in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit, oder du fragst direkt beim Bildungsträger nach.

Ob eine Weiterbildung notwendig ist, entscheidet deine Beraterin oder dein Berater im Einzelfall. Deshalb lohnt es sich, dass du gut erklären kannst, warum genau diese Umschulung deine Chancen auf einen Job verbessert.

Wer bekommt einen Bildungsgutschein?

Einen Bildungsgutschein bekommen vor allem Arbeitslose und Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht, zum Beispiel nach einer Kündigung. Für Menschen ohne Berufsabschluss und für Berufstätige gelten zusätzlich eigene Regeln. Die Tabelle zeigt dir, wo du gerade stehst:

Deine SituationGute Chancen, wenn …
Du bist arbeitslos und bekommst Arbeitslosengelddie Weiterbildung deine Jobchancen klar verbessert
Du bekommst Grundsicherungsgelddie Agentur für Arbeit die Weiterbildung für deine Eingliederung als nötig ansieht
Dir droht Arbeitslosigkeitdu die Weiterbildung schon vor dem Jobverlust planst
Du hast keinen Berufsabschlussdu einen Abschluss nachholen willst und dafür geeignet bist
Du bist berufstätigdie Weiterbildung mehr als 120 Stunden dauert und, je nach Betriebsgröße, dein Arbeitgeber sich beteiligt
Du steigst nach einer Pause wieder eindie Weiterbildung dir den Wiedereinstieg erleichtert

Wer hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein? Einen festen Anspruch hast du in den meisten Fällen nicht, denn der Bildungsgutschein ist eine Ermessensleistung: Die Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall. Anders sieht es aus, wenn du einen fehlenden Berufsabschluss nachholen willst und die Bedingungen dafür erfüllst. Dann kannst du dich unter bestimmten Voraussetzungen auf einen Rechtsanspruch berufen, ebenso beim Nachholen eines Hauptschulabschlusses.

Für Arbeitslose ist der Bildungsgutschein der wichtigste Weg zu einer kostenlosen Umschulung. Wo du ihn beantragst und welche Unterlagen du brauchst, erklären wir im Ratgeber Bildungsgutschein beantragen.

Was gilt, wenn du Grundsicherungsgeld bekommst?

Bekommst du Grundsicherungsgeld, entscheidet über deinen Bildungsgutschein seit dem 1. Januar 2025 die Agentur für Arbeit. Das Jobcenter stellt keinen Bildungsgutschein mehr aus. Das bestätigt die Bundesagentur für Arbeit. Die Agentur prüft mit dir, ob eine Umschulung oder Weiterbildung nötig ist, damit du wieder in Arbeit kommst, und die Voraussetzungen sind dieselben wie für alle anderen.

Dein Jobcenter bleibt trotzdem wichtig: Es zahlt weiter dein Grundsicherungsgeld und unterstützt dich bei der Vermittlung. Bei einer abschlussorientierten Weiterbildung wie einer Umschulung gibt es außerdem 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat. Die Weiterbildungsprämie beträgt 1.000 Euro für die bestandene Zwischenprüfung und 1.500 Euro für die Abschlussprüfung, beides zahlt die Agentur für Arbeit.

Kannst du ohne Berufsabschluss einen Bildungsgutschein bekommen?

Junger Mann macht sich am Schreibtisch Notizen, neben ihm ein Laptop, beim Informieren über eine Umschulung ohne Berufsabschluss

Ja, ohne Berufsabschluss kannst du einen Bildungsgutschein bekommen, um einen Abschluss nachzuholen. Nach § 81 SGB III wird das gefördert, wenn du für den Beruf geeignet bist, die Umschulung voraussichtlich schaffst und damit deine Jobchancen verbesserst.

Als „ohne Berufsabschluss“ zählst du, wenn du keine Ausbildung mit mindestens zwei Jahren Dauer hast. Das gilt auch, wenn du zwar einen Abschluss hast, aber seit mehr als vier Jahren in an- oder ungelernter Arbeit steckst und in deinem gelernten Beruf voraussichtlich nicht mehr arbeiten kannst. Bei diesen vier Jahren zählen auch Zeiten der Arbeitslosigkeit, der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen mit.

Warst du noch keine drei Jahre berufstätig, gelten engere Regeln. Dann wird nur gefördert, wenn eine Berufsausbildung aus persönlichen Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar ist oder wenn die Umschulung in einem Engpassberuf stattfindet.

Auch der Erwerb von Grundkompetenzen kann gefördert werden, zum Beispiel in Lesen, Schreiben, Mathematik oder im Umgang mit digitaler Technik. Nach § 81 SGB III gilt das, wenn die Weiterbildung die Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Weiterbildung schafft oder deine Beschäftigungsfähigkeit allgemein verbessert.

Bekommst du einen Bildungsgutschein auch als Berufstätige oder Berufstätiger?

Ja, auch Berufstätige können gefördert werden. Nach § 82 SGB III muss die Weiterbildung dafür mehr als 120 Stunden dauern und über eine kurze Einarbeitung am Arbeitsplatz hinausgehen. Der Bildungsgutschein übernimmt dann die Weiterbildungskosten ganz oder teilweise.

Als Berufstätige oder Berufstätiger musst du zwei Fristen beachten: Dein Berufsabschluss liegt in der Regel mindestens zwei Jahre zurück, und du hast in den letzten zwei Jahren keine nach § 82 SGB III geförderte Weiterbildung gemacht.

Wie viel dein Arbeitgeber zu den Kurskosten beiträgt, hängt von der Größe des Betriebs ab, also von der Zahl der Beschäftigten:

Größe des BetriebsAnteil des Arbeitgebers an den Lehrgangskosten
unter 50 Beschäftigtein der Regel keiner
50 bis 499 Beschäftigte50 Prozent
ab 500 Beschäftigte75 Prozent

Bist du bei Kursbeginn mindestens 45 Jahre alt oder schwerbehindert, soll in Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten der Arbeitgeber nichts zahlen müssen.

Wann bekommst du keinen Bildungsgutschein?

Mann mit Brille telefoniert auf dem Sofa im Wohnzimmer, um nach einer Ablehnung beim Bildungsgutschein bei der Agentur für Arbeit nachzufragen

Einen Bildungsgutschein bekommst du vor allem dann nicht, wenn die Weiterbildung aus Sicht der Agentur für Arbeit nicht notwendig ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du auch ohne Weiterbildung gute Chancen auf einen passenden Job hast.

Weitere typische Gründe für eine Ablehnung sind ein Kurs ohne Zulassung, ein Kursstart ohne vorheriges Beratungsgespräch oder ein Bildungsziel, das nicht zu den offenen Stellen auf dem Arbeitsmarkt passt. Auch Schulungen, zu denen dein Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet ist, werden nicht über den Bildungsgutschein bezahlt.

Eine Ablehnung heißt nicht, dass du aufgeben musst. Mit guten Argumenten, zum Beispiel passenden Stellenanzeigen, kannst du im Widerspruch noch einmal erklären, warum die Weiterbildung notwendig ist. Mehr zum Ablauf liest du im Ratgeber Bildungsgutschein beantragen.

Wie erhöhst du deine Chancen auf einen Bildungsgutschein?

Deine Chancen erhöhst du mit einem klaren Berufsziel, einem passenden zugelassenen Kurs und guten Belegen wie Stellenanzeigen. So zeigst du der Agentur für Arbeit schwarz auf weiß, dass die Umschulung wirklich nötig ist.

Lernen von zu Hause ist bei vielen Lehrgängen möglich: Das Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit nennt Online-Lernphasen ausdrücklich als Teil von Kursen und rät, beim Bildungsträger nachzufragen, wie viel online stattfindet. Wichtig ist nur, dass Kurs und Träger zugelassen sind. Das hilft dir, wenn du Familie hast, in Schichten arbeitest oder nicht in der Nähe einer Schule wohnst.

Lass dich nicht entmutigen, wenn du keinen hohen Abschluss hast. Eine Studie mit Daten des IAB aus dem Jahr 2009 zeigt, dass Arbeitslose mit geringer Qualifikation ihren Bildungsgutschein vergleichsweise selten einlösen. Dabei kann gerade ihnen eine Umschulung mit Abschluss helfen.

Wenn du unsicher bist, frag nach Unterstützung, zum Beispiel nach einem Coaching über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Was der Bildungsgutschein alles bezahlt, erfährst du im Ratgeber Umschulung mit Bildungsgutschein.

Fazit

Die Voraussetzungen für den Bildungsgutschein sind klar geregelt: Die Weiterbildung muss notwendig sein, du brauchst ein Beratungsgespräch vor Kursbeginn, und Kurs und Bildungsträger müssen zugelassen sein. Arbeitslose, Menschen ohne Berufsabschluss und unter bestimmten Bedingungen auch Berufstätige haben gute Chancen. Mit einem klaren Ziel und den richtigen Belegen überzeugst du im Gespräch, und viele zugelassene Kurse lassen sich zumindest zum Teil bequem von zu Hause aus machen. Du weißt noch nicht, welches Ziel zu dir passt? Finde mit unserem kurzen Umschulungs-Check heraus, welche Umschulung zu dir passt.

FAQ

Wie schwer ist es, einen Bildungsgutschein zu bekommen?

Mit guter Vorbereitung ist es gut machbar. Entscheidend ist, dass du der Agentur für Arbeit erklären kannst, warum die Weiterbildung deine Jobchancen verbessert und welcher Beruf dein Ziel ist.

Gelten in NRW andere Voraussetzungen?

Nein, die Voraussetzungen für den Bildungsgutschein gelten bundesweit gleich, ob in NRW, Hessen oder Hamburg. Zuständig ist immer deine Agentur für Arbeit vor Ort.

Welche Berufe können mit Bildungsgutschein gefördert werden?

Gefördert werden Umschulungen und Weiterbildungen in vielen Berufen, wenn Kurs und Träger zugelassen sind. Besonders gute Chancen hast du in Berufen, in denen Fachkräfte gesucht werden.

Stellt das Jobcenter noch Bildungsgutscheine aus?

Nein, seit dem 1. Januar 2025 entscheidet die Agentur für Arbeit über den Bildungsgutschein, auch wenn du Grundsicherungsgeld bekommst. Dein Jobcenter kann den Bedarf einschätzen und erste Eignungsfragen klären, die Beratung nach § 81 SGB III und die Entscheidung übernimmt aber die Agentur für Arbeit. Für das Grundsicherungsgeld und die Vermittlung bleibt dein Jobcenter zuständig.

Wie viel Geld bekommt man mit einem Bildungsgutschein?

Eine feste Summe gibt es nicht. Übernommen werden die Kosten des zugelassenen Kurses und je nach Fall weitere Kosten wie Fahrtkosten oder Kinderbetreuung. Für Kinder unter 15 Jahren sind das bis zu 160 Euro im Monat pro Kind.

Wie oft kann man einen Bildungsgutschein bekommen?

Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Du kannst auch mehrmals gefördert werden, wenn die neue Weiterbildung wieder notwendig ist, damit du Arbeit findest. Als Berufstätige oder Berufstätiger musst du zwischen zwei geförderten Weiterbildungen nach § 82 SGB III in der Regel zwei Jahre warten.

Gibt es eine Altersgrenze für den Bildungsgutschein?

Nein, eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Auch mit 50 oder älter kannst du gefördert werden, wenn die Weiterbildung deine Chancen verbessert.

Kann ich mit dem Bildungsgutschein online lernen?

Oft ja, denn viele Lehrgänge haben Online-Lernphasen. Entscheidend ist, dass Kurs und Bildungsträger zugelassen sind. Wie viel des Kurses online läuft, klärst du am besten vorher mit dem Bildungsträger, und ob ein Kurs zugelassen ist, siehst du in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit.

Quellen

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